Sie fallen uns längst nicht mehr auf. Sie sind überall
- auf den Straßen, in der U-Bahn, im Supermarkt, in den
Banken. Sie sollten eingeführt werden um Verbrecher abzuhalten
oder Straftäter wiederzuerkennen und festnehmen zu können.
Die Überwachungskameras sind dafür da, dass wir uns
alle sicher fühlen können. So sollen wir glauben und
so glauben wir es dann auch. So erklärt sich, dass wir im öffentlichen
Raum immer wieder Symbole von Kameras finden, als ob sie für
etwas Gutes stehen würden.
In der Arbeit "immer wenn eine kamera auf mich gereichtet
ist fühle ich mich wie ein schauspieler“ von Raul
Gschrey wird der Betrachter mit diesem Phänomen der allgegenwärtigen Überwachung
konfrontiert. Sie zeigt die Aufnahmen von Überwachungskameras
der Stadt Frankfurt und inszeniert damit einen Rollenwechsel:
Jetzt ist es der Besucher der Ausstellung, der den Blick der
Kamera einnimmt und als unsichtbarer Voyeur den öffentlichen
Raum beobachtet. Die Installation macht Unsichtbares sichtbar
und zwingt den Betrachter über diese Art von Kontrolle nachzudenken:
Brauchen wir diese Überwachung? Wer entscheidet über
ihren Einsatz? Fühle ich mich dadurch wirklich sicherer
als ohne sie und woher kommt dieses subjektive Sicherheitsgefühl?
Die Arbeit setzt ein Spiel der Blicke und Perspektiven in Gang:
Auf dem dazugehörigen Video sieht man, wie eine stark befahrene
Verkehrskreuzung von einer Gruppe Passanten überquert wird.
Einzelne von ihnen bewegen drei große Buchstaben, die für
einen flüchtigen Moment das Wort "SEE“ bilden,
nur um es rasch wieder abzubauen. Manche der vorüber fahrenden
Autofahrer können vielleicht das Wort lesen, und werden
sich fragen, was hier geschieht. Ist es ein zufälliges Zusammentreffen
oder handelt es sich um eine Inszenierung? Doch was wird hier
inszeniert und für wen? Wer sieht und wer wird gesehen?
Handelt es sich um eine Aufforderung und an wen richtet sie sich?
Fragen bleiben offen.