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"SEE“ ist als realer Schriftzug im
Stadtraum sichtbar. “SEE“ ist
ein Imperativ, eine direkte Aufforderung aktiv zu werden und sich
umzuschauen. Durch die Platzierung der Buchstaben gegenüber
einer Überwachungskamera verweisen sie auch auf das “Gesehen-Werden“.
Im Sinne von „sieh hin (was passiert)“ prangert es
die Entwicklung der Überwachungsmechanismen, beispielsweise
die inflationäre Anbringung von Kameras an Kreuzungen, an.
Sehen
als wichtiger Sinn des Menschen wird zu etwas Negativem. Auf
einmal wird das Sehen benutzt, womöglich sogar missbraucht,
um eine zweifelhafte Politik, die Überwachungspolitik, zu
unterstützen. Geradezu positiv gegen diese düstere
Zukunftsvision hebt sich die Leuchtreklame als Appell ab, der
Betrachter und Bewohner zu neuen Blickperspektiven auf den
Stadtraum auffordert. Neben
Warnung und Aufforderung hinterfragt “SEE“ Beobachtungsmechanismen
und Sehgewohnheiten. Denn trotz Überwachungskamera scheint
niemand einzugreifen. Überwacht denn nun jemand die Bilder,
die an der Kreuzung gemacht werden oder nicht? Im Angesicht von
Kamera und scheinbarer Überwachung ist es dennoch möglich
Eingriffe in den beobachteten Raum vorzunehmen, also ganz konkret
die Buchstaben zu platzieren. Als Kontrolle funktioniert die
Kamera also keineswegs. Merkwürdigerweise scheinen auch
Passanten keine Kenntnis von den Buchstaben zu nehmen. In diesem
Sinn, als nicht erblickter Gegenstand, kann der Schriftzug als
Vanitas-Zeichen gelesen werden: Die alten, verblichenen und kaputten
Werbebuchstaben werden in einer Großstadt, die jeden Tag
neue Sensationen bietet, längst nicht mehr wahrgenommen.
Sie gehören, genau wie die zahlreichen Überwachungskameras,
schon zum alltäglichen Bild, sind zur Sehgewohnheit geworden. So
verweist “SEE“ als Installation und Kunstprojekt
selbstreferentiell auf die Methode einer Rezeption von Kunst.
Die verschiedenen Medien, also Schriftzug im Stadtraum einerseits, Überwachungskameraaufnahme
und Kunstprojekt andererseits, spiegeln die vielschichtigen Wahrnehmungsformen
in einer Metropole wie Frankfurt. Gleichzeitig werden genau diese
Blicke und Motivationen von Sehen und Überwachen hinterfragt.
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