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Dokumentation
Erste Eindrücke aus den
Ausstellungsorten, eine ausführliche Dokumentation ist in Planung
Schön
war´s! Jedenfalls schön hell, in tatsächlicher wie
in übertragener Hinsicht. Die Projektgruppe „der letzte
macht das licht aus“ blickt zurück auf eine erfolgreiche
Beteiligung an der Luminale 2008 und kann dabei sehr zufrieden sein!
Freie Künstler und Studierende des Instituts für Kunstpädagogik,
zeigten unter dem Projektnamen „der letzte macht das licht aus“ während
der Luminale 2008 an vier Ausstellungsorten künstlerische Arbeiten,
welche die jugend-kultur-kirche sankt peter, die Evangelische Stadtakademie,
das Historische Museum Frankfurt und die Ausstellungshalle der J.W.
Goethe-Universität für eine Woche in besonderem Licht erscheinen
ließen.
Eröffnet wurde die Ausstellung im Rahmen der Luminale 2008 mit einer Vernissage
in der jugend-kultur-kirche sankt peter am Sonntag, den 06. April, wo es nach
offiziellen Reden viel Kunst zu sehen und Grund zum Feiern gab: Der Live-Klangkünstler
usage unique und kalte Getränke sorgten für eine inspirierte und ausgelassene
Atmosphäre, was die zahlreichen Gäste, vertieft in kunsttheoretische
Diskurse wie auch das Tanzbein schwingend, bis in die frühen Morgenstunden
genossen.
"an|aus leuchten"
Ausstellungshalle J.W. Goethe-Universität Frankfurt
Arbeiten von Haroun Afzal,
Rahel Hünig, Bend Metz, Sven Palesch, Anselm Schenklun, Vanessa Türschmann
& Irina Zikuschka


In die Ausstellungshalle
der J. W. Goethe-Universität am Campus Bockenheim lockten unter
dem Titel „an | aus leuchten“ Arbeiten von freien Künstlern
und Studierenden des Instituts für Kunstpädagogik. Neben
der Projektion von Dias und Fotografien, gab es auch fotografische
Arbeiten hinter Glas wie auch zwei im Raum schwebende Lichtskulpturen
und eine modelllandschaftartige Licht-Installation zu sehen. Am Montag,
den 07. April konnten die Luminale-Besucher auch hier noch einmal
eine Vernissage genießen, die mit einem inspirierenden Liveact
von initials dc und einer unermüdlich für gute Stimmung
sorgenden DJane bis spät in die Nacht – oder war es schon
wieder früh? – in entspannter Atmosphäre den Genuss
von Kunst, intellektuellen und weniger intellektuellen Gesprächen
ermöglichte. Während der ganzen Luminale-Woche waren auch
an diesem Ausstellungsort die Exponate zu bewundern. Bernd Metz zeigte
eigene und fremde Erinnerungsbilder, die er in Form von bearbeiteten
Dias übereinander blendete und somit die Verschmelzung von privaten
und vergesellschafteten Erzählungen über das Leben und
seine wichtigen Momente auf charmante Weise verbildlichte. Ebenso
geheimnisvoll, wenngleich auch weniger skurril anmutend, wirkten
die großformatigen Projektionen von Irina Zikuschka, die in
ihren wunderbaren Fotografien bei Nacht aufgenommene Interieur-Ansichten
von Wohnungen zeigte. Die Melancholie schlafloser Nächte, verwoben
mit sanftmütiger Rätselhaftigkeit, verzauberte die Betrachter
und ließ sie die Zeit um sich vergessen. Die Melancholie und
die Dunkelheit bildeten auch in den hochkarätigen Fotoarbeiten
von Vanessa Türschmann den roten Faden, der sich ebenso auf
der formalen Ebene in der malerischen Struktur der einzelnen Bilder
und deren zauberhaften Licht-Blick-Punkten fortspann. Anselm Schenkluhns
frei schwebende Lichtskulptur versetzte ins Besondere ins Staunen
durch die verwunderliche Eigenschaft, leise surrend zu „atmen“ und
bei jedem Atemzug Licht aus ihrem Innern zu entlassen, welches sich
in zwei strahlenden Kreisen im dunklen Raum auf den sich gegenüberstehenden
Wänden ausbreitete.
Ebenso frei im
Raum – wenn auch bedrohlich über den Köpfen der Besucher – schwebend,
befand sich Haroun Afzals Licht-Käfig, aus dessen Innerem sich
durch Schwarzlicht-Röhren personifizierte Lichtstrahlen ihren
Weg in´s Freie bahnten. Auf ganz andere Weise minimalistisch
war die an Modell- oder Krippenlandschaften erinnernde Installation
von Rahel Hünig anzusehn: skizzenhafte Miniaturfiguren, bestehend
aus gekautem Kaugummi, bevölkerten den durch ein metallenes
Gestänge mit dem Umriss eines Wartehäuschens abgesteckten
Teil eines bühnenartigen Raumvorsprungs. Zwei Lichtquellen beleuchteten
bestimmte Situationen, ließen hier und da Zitate der Kunstgeschichte
neben Phänomenen des alltäglichen Lebens aus dem Geschehen
hervor- und andere Situationen dagegen unauffällig im Schatten
ihrer Entdeckung durch den Betrachter harrend, zurücktreten.
"an|aus strahlen"
sankt peter
Arbeiten von Ximena
Aburto Felis, Raul Gschrey, Lucia Lovaszova, Caroline Vogel, Projektionsareal
& Projektionszirkus



Der
Titel des Ausstellungsortes der jugend-kultur-kirche sankt peter
lautete „an I aus strahlen“ – ein Verweis auf die
metaphorisch wie auch auf die tatsächlich erhellende Eigenschaft
des Lichtes. Zu sehen waren Arbeiten, die auf unterschiedliche Weise
den Betrachter mit dem Thema „Licht“ konfrontierten und
in Dialoge verwickelten. Bei der multimedialen Installation von Projektionszirkus
spielte das Thema der Gleichzeitigkeit und Andersartigkeit von digitaler
und analoger Existenz bzw. ihrer jeweiligen Spezifika und deren wechselseitiger
Beeinflussungen eine zentrale Rolle. Auf höchst spannende Weise
wurde hier die Frage nach dem Wo und Wie des Verlaufs der Grenzen
der analogen und der digitalen Welt und ihrer Schnittflächen
bearbeitet. So wurden die Besucher gar zum Teil des Werks, da sie
durch ihre Bewegungen im Raum, bzw. als Akteure auf einem zur Bühne
vergrößerten sozialen Spielfeld, großflächige,
digitale Projektionen mitbestimmten. Die Gegenwart der Ausstellungsbesucher
wurde auf diese Weise mit zur Vorbedingung für die Existenz
des Kunstwerks. Die hier eingesetzte Technik des „motion tracking“,
mit der die Bewegungen der Personen erfasst wurden, bildete auch
eine Brücke zu einem weiteren Themenschwerpunkt in sankt peter,
nämlich dem der Überwachung und der Bewegung im öffentlichen
Raum, welcher von Raul Gschrey in seinen Videoskulpturen und Videoinstallationen
auf eindringliche Weise vergegenwärtigt wurde. Eine weitere
Videoarbeit von Karoline Vogel bewegte sich im Spannungsfeld von
weltlichem wie persönlichem Chaos und den dazu gehörigen
Versuchen, neue Ordnungen und private Universen auf kindlich-spielerische
Weise zu entwerfen. Ebenso wurden in sankt peter mit den Leuchtkästen
von Ximena Felis die ökologischen Aspekte eines uneingeschränkten
urbanen Gebrauchs von Licht als architektonischem wie sicherheitspolitischem
Signal thematisiert, wie auch bei den Exponaten von Lucia Lovászová die
eigentümlich unkörperliche Dimension des Lichts durch große,
weiche Lichtsäulen mit textiler Oberflächenstruktur kontrapunktisch
angesprochen.
"an|aus bauen"
Römer
Gruppenprojekt unter der Leitung
von Jasmin Grünewald, Anja Winter & Irina Zikuschka

Das
Historische Museum Frankfurt am Main wurde mit dem Ausstellungstitel „an
I aus sichten“ ebenfalls Teil der Luminale 2008 und präsentierte
Exponate, die aufmerksam machten auf das Historische Museum als wichtige
städtische Institution sowie als architektonisches Phänomen.
Im Lapidarium verführten geometrische Lichtzeichnungen und fluoreszierende
Nebelschwaden von Haroun Afzal die Betrachter zu poetischen Sinnestäuschungen
und hoben mit filigranen Leucht-Gebilden das Verhältnis von
Tragen und Lasten und damit die gewohnten Gesetze der Statik auf.
Das Lichtobjekt auf dem Dach des Historischen Museums von Bernd Metz
thematisierte als zugleich beständig und doch lichthaft-immateriell
erscheinender Leuchtturm die Veränderbarkeit von Architekturen
und verwies damit auch auf die aktuelle Debatte zur Neubebauung des
Römers. Diese Thematik setzte sich in einer Gebäude übergreifenden
Gemeinschaftsarbeit der Projektgruppe mit dem Titel „an I aus
bauen“ fort: Hierbei handelte es sich um eine große,
lineare Projektion, welche die Außenwände des Historischen
Museums und die der gegenüberliegenden evangelischen Stadtakademie
mit architektonischen Lichtzeichnungen bespielte. In dieser Projektion
wurden Elemente und charakteristische Strukturen beider Fassaden
aufgegriffen, durch eine sich bewegende weiße Linie aus Licht
dargestellt, graphisch weiterentwickelt und wechselseitig verschmolzen.
So wurde die beim alltäglichen Betrachten oft so fest und beständig
wirkende Architektur als etwas Fluides thematisiert, dessen Strukturen
immer im Dialog einzelner Menschen und konkreter örtlicher Gegebenheiten
entwickelt und umgesetzt werden. Diese an prominenter Stelle in Frankfurt
gezeigte Arbeit wurde unter besonderem Einsatz von Jasmin Grünewald,
Anja Winter und Irina Zikuschka realisiert.
"an|aus sichten"
Historisches Museum Frankfurt
Arbeiten von Haroun Afzal
& Bernd Metz 

Die
Finissage der Projektgruppe versammelte am Freitag den 11. April ab
20.00h noch einmal Kunst- und Musikinteressierte in der jugend-kultur-kirche
sankt peter. Es wurde richtig voll, ein rauschendes Fest und sicherlich
nicht zuletzt dank den Musikern von daturah, art graves und dem dj-action-team
ein livemusikalisch krönender Abschluss der illustren Woche! Allen Arbeiten der
Projektgruppe gemeinsam war der Umgang mit dem Licht als wesentlichem
Bestandteil des Kunstwerks. Und auch
wenn man nach dieser
Luminale-Woche keine eindimensionale, im Unisono verkündete Botschaft
der Projektgruppe „der letzte macht das licht aus“ mit nach
Hause nehmen konnte, so war doch der aufklärerische Impuls deutlich
spürbar, auf individuelle Weise mit Charme und Witz das Licht der
Vernunft gegen die Wirren der Zeit ins Felde zu führen.
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