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borderlines
- arbeiten zu den themen grenzen, migration & bewegung
von raul gschrey |
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in
einer globalisierten welt, die nicht nur ökonomisch immer
weiter zusammenwächst, sondern in der auch kulturelle artefakte
und menschen und deren lebensgewohnheiten eine globale diffusion
erfahren, werden ethno- und national zentristische weltauffassungen
zunehmend in frage gestellt. kulturwissenschaftler sprechen von
einer transkulturellen verfasstheit der zeitgenössischen
kultur. der von wolfgang welsch geprägte begriff
der transkultutralität
geht von einer kulturellen vermischung aus, über nationale
und ethnische grenzen hinweg. diese entwicklungen betreffen aber
nicht nur die mobilen migranten und ihr kulturelles schaffen,
sondern schlagen sich in der formation der identitäten aller
in dieser globalisierten welt lebenden individuen nieder.
doch
grenzen bleiben als etwas manifestes bestehen. bewegungen sind
nicht von jedem ort zum anderen möglich und nicht für
jeden. während ehemalige grenzen in den letzten jahrzehnten
in deutschland und europa, vor allem durch den zusammenbruch der
sowjetunion, zerstört wurden, und weitere durch politische
entwicklungen wie das fortscheitende zusammenwachsen europas in
frage gesrellt scheinen, sehen wir zwischen nordamerika und mittel-
und südamerika,
zwischen europa und afrika, zwischen israel und den palästinensischen
gebieten neue befestigungen entstehen.
grenzen
sind mechanismen der exklusion, aber auch der inklusion. sie
stellen sich heute als hochtechnisierte trennlinien,
als „smart
borders“ zwischen wohlhabenden und armen gebieten dar, die
dennoch kein unüberwindbares hindernis darstellen. die künstlerischen
arbeiten des projektes beziehen sich auf migrationsbewegungen in
der gegenwart, aber auch in der vergangenheit, die unsere, historisch
gewachsene, transkulturelle welt durchziehen.
ebenso
werden aber auch grenzen innerhalb eines sozialen raumes untersucht,
z.b. in einer stadt oder noch kleineren
gesellschaftlichen
teilbereichen. dabei spielen individuelle grenzen, grenzen der
körpererfahrung,
der selbstbestimmung, der kommunikation und die wahrnehmung und
verhandlung privater und öffentlicher räume eine rolle.
damit schließt das projekt an meinen bisherigen künstlerischen
und wissenschaftlichen schwerpunkt: „contemporary closed
circuits – subversive dialoge“ an, der visuelle überwachung
als gesellschaftlichen kontrollmechanismus untersuchte.
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| grenzlinien -
ausstellung im rahmen des kultursommer rheinland-pfalz im zollhafen
mainz. |
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arbeiten
der letzten jahre zu den themen migration & bewegung
die
meisten der folgenden arbeiten sind seit 2005 innerhalb eines
austauschprojekts zwischen der goethe universität frankfurt
und der akademie der schönen künste der universidad
de la republica, montevideo/uruguay entstanden. siehe kataloge. website
zum projekt
zu
einer konferenz zu den neuen englischssprachigen literaturen
und kulturen an der goethe universität frankfurt/main
zum thema arrivals
& departures habe ich zum thema
eine ausstellung konzipiert. gezeigt wurden arbeiten junger künstler
aus der region
aber auch exemplarische
arbeiten
von
etablierten
kreativen aus dem europäischen und außereuropäischen ausland.
siehe kataloge. |
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kleine weltmusik
/ little world music
installation, 2004
ein
globus dreht sich auf einem plattenspieler. aus dem integrierten
radio wird ein sender an drei lautsprecher übertragen,
die um den plattenspieler angeordnet sind. der ton ist durch die
alten lautsprecher und den schlechten empfang verzerrt. der eingestellte
sender ist AFN, american forces network.

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reimport
postpaket, kartoffeln, fotografie, 2005
ein
aufgerissenes päckchen, das spuren
des postwegs von deutschland nach uruguay trägt, liegt in
einer ecke auf dem boden. aus der öffnung quellen kartoffeln
hervor. für die arbeit, die symbolisch die kartoffel nach
südamerika reimportiert, habe ich einem bauern bei der ernte
in deutschland geholfen und dieses fotografisch dokumentiert.
ich habe auf verschiedenen wegen versucht einen sack dieser kartoffeln
nach montevideo zu bringen. letztendlich war die unwahrscheinlichste
aller möglichkeiten erfolgreich: ein paket per luftpost,
durch den streng kontrollierten uruguayischen zoll. doch der
reimport der kartoffel nach südamerika ist längst wirklichkeit.
europäische und nordamerikanische saatgutfirmen beherrschen
den weltmarkt und exportieren manipulierte kartoffeln in die
ganze welt.

die
arbeit wurde in der ausstellung "frankfurt...stuttgart...montevideo"
in einer galerie im stadtzentrum montevideos in der nähe
des hafens gezeigt.

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arroz
por china, papel por finlandia y papas por uruguay / rice
for china, paper for finland and potatoes for uruguay
installation, 2005
ein
ventilator hängt von der decke in eine
am boden stehende übersee transportkiste. ein deformierter
wasserspielball in form eines globus bewegt sich im inneren. der
wind des ventilators treibt zivilisationsabfall, verpackungsmaterialien
und waren durch die kiste und stößt dabei ab und zu
mit einem dumpfen geräusch an die hölzerne außenwand.
in unserer globalisierten welt bewegen sich dinge von ort zu ort,
von hafen zu hafen. die arbeit verweist auf den wahnsinn des internationalen
warentransits und seine folgen. in uruguay wird reis für china
produziert und multinationale firmen planen großangelegte
und wenig nachhaltige zelluloseproduktion für den europäischen
markt.
die arbeit
wurde in der ausstellung "frankfurt...stuttgart...montevideo" in
einer galerie im stadtzentrum montevideos in der nähe des
hafens gezeigt.
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gente
del calle perez castellano
fotografie, 2005-2007 die
fotos wurden während des aufenthalts als teil eines Austauchprogramms
zwischen universitäten in frankfurt am main und montevideo, uruguay
aufgenommen. die serie setzt sich aus bildern zusammen, die in den ersten
zwei blocks
der perez castellano gemacht wurden, einer Strasse, die vom Hafen, durch
die altstadt, ins zentrum montevideos führt. während unserer ausstellung,
in nummer 1526, verbrachten wir viel zeit in diesem teil der
stadt, lernten leute kennen und gewöhnten uns an ihre gesichter. am
letzten tag unseres aufenthalts bat ich einige der personen, die in der strasse
leben und arbeiten, portraits machen zu dürfen.

zwei
jahre später, 2007, wurden die bilder zurück nach montevideo
gebracht. sie wurden an den wänden, schaufenstern und türen der
perez castellano gezeigt und so den aufgenommenen und in
den stradtraum zurückgegeben. fotographien/montevideo: Ignacio Rodríguez
Srabonián.

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container/ contenedor - migrations
interaktive toninstallation, 2007
die
toninstallation wurde anlässlich der ausstellung container/contenedor
in einem überseecontainer, einem transitraum, im innenhof
des historischen museums frankfurt gezeigt.

aus
auf dem boden liegenden und an der wand hängenden boxen kommen
interviewsequenzen in verschiedenen sprachen. die verwirrung durch
die sich überlagernden gespräche lässt sich durch
herantreten und die Fokussierung auf eine tonquelle aufheben.
Durch bewegungsmelder wird beim näheren herantreten die jeweilige
tonspur lauter und ein spot von der decke beleuchtet die quellen.
So ist es möglich, menschen zuzuhören, die aus verschiedenen
ländern nach frankfurt/deutschland gekommen sind. sie erzählen über
die gründe und die geschichten ihrer migration und über
persönliche bedeutungen ihrer herkunftsgebiete und deutschland.
die geschichten sind jeweils in deutsch und in der muttersprache
aufgenommen.

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ayuda
linda / helft linda
voradressiertes und frankiertes multiple, 2007
linda,
die 'schöne’ (spanisch),
ist eine früher in deutschland weit verbreitete kartoffelsorte,
die von ihrem hersteller vom markt genommen wurde. europlant, eine
international tätige saatgutfirma, die die zuchtrechte an
linda besitzt, will diese durch neue züchtungen ersetzen.
Im jahr 2007 werden zum letzten mal kartoffeln dieser sorte verkauft.
wenn sie helfen wollen linda zu retten, dann reimportieren sie
sie doch einfach nach südamerika. geben sie ihr eine neue
heimat in uruguay. diese intervention ihrerseits ist allerdings
auch mit risiken verbunden. es ist verboten lebensmittel und saatgut
nach uruguay einzuführen. aber was wiegt ein kleiner regelverstoß gegen
das weiterleben der 'schönen’. vorfrankiertes
und adressiertes multiple bestehend aus: linda, spanischer pflanzanleitung
und einem aufruf linda nicht sterben zu lassen.

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frankfurt...luxemburg...montevideo
installation, 2007-2008
ein
lichtband aus kleinformatigen diaprojektionen verläuft
in bodennähe an der wand. die vor der wand
stehenden diaprojektoren und ihre kabel grenzen eine geordnete
fläche ab, die das herantreten und genauere betrachten der
projizierten wörter und sätze erschwert. die zitate erlauben
aber einen einblick in die geschichte einer erzwungenen migration
von frankfurt über
luxemburg nach montevideo. in der installation werden ausschnitte
nur einer entschädigungsakte gezeigt um den lebensweg und
das schicksal dieser person und seiner familie aufzuzeigen.
die installation nutzt auszüge aus archivmaterial der entschädigungsakten,
die im staatsarchiv wiesbaden gelagert werden. diese akten wurden
während der verhandlungen zu entschädigungszahlungen
der bundesrepublik deutschland an antragsteller, die während
des dritten reiches verschleppt, in lagern zur arbeit gezwungen
wurden, deren besitz konfisziert und deren angehörige in
konzentrationslagern umkamen angelegt. in den kellern des archivs
liegen, nahezu unberührt, eine unüberblickbare menge
an zeugnissen, die den tragischen eingriff in lebensentwürfe
und pläne zeigt. in den meisten fällen sind dies auch
geschichten unfreiwilliger migrationen.

um
dem migrationsweg des protagonisten zu folgen wurde die arbeit,
in frankfurt, luxemburg ("passages", exhibition during "luxemburg
cultural capital of europe 2007") und in montevideo/uruguay
(2008) gezeigt.
in
montevideo wurden die zitate
als druck an wände im stadtraum geklebt. die orte waren
eine hauswand neben dem ehemaligen haus der person und ein
früheres postamt, in dem wahrscheinlich die meisten
seiner briefe abgeschickt wurden.

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